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Alte Schweizer AKWs abschalten
Die deutsche Bürgerinitiative KLAR! – Kein Leben mit atomaren Risiken fordert die Schweizer Bundesregierung auf, nach der Atom-Katastrophe in Japan, ähnliche Konsequenzen wie die deutsche Regierung zu ziehen und ihre "Uralt"-Atomkraftwerke ebenfalls abzuschalten. Es reicht nicht aus, die Neubaupläne für drei neue AKWs auf Eis zu legen bis sich die Bevölkerung wieder beruhigt hat. Bis auf das Kraftwerk Leibstadt sind alle restlichen vier Atommeiler vor 1980 angelaufen. Beznau-1 ist als Ältestes und mittlerweile 41,7 Jahre(!) alt. Dieser Block ist somit 14 Monate älter als der erste Block von Fukushima 1.Mühleberg, dessen Laufzeit vor gut einem Jahr von der Schweizer Atomaufsicht als letztes eine unbefristete Betriebserlaubnis erhalten hat, ist 39,7 Jahre alt und wie die japanischen Katastrophenreaktoren Fukushima ein Siedewassertyp. Die gesamten Schweizer Kernkraftwerke haben ein Durchschnittsalter von 35,9 Jahren. KLAR! hält dies angesichts enormer Materialbeanspruchung durch die hohen Temperaturen und der radioaktiven Bestrahlung im Reaktorraum für ein unakzeptables Risiko.
Die zwei Schweizer Reaktoren Beznau-1 und -2 auf der Aare-Insel, die 1989 und 1971 erstmals Strom ins Netz eingespeist haben, sind nur rund 8 km von Waldshut-Tiengen und etwa 45 km vom Ortsrand von Gottmadingen entfernt. Es nutzt der Bevölkerung in Südbaden nichts, wenn auf der deutschen Seite alle Reaktoren, die vor 1980 angelaufen sind, vom Netz müssen, während vor ihrer Haustüre die alten gefährlichen Schweizer "Göppel" weiterlaufen dürfen. KLAR! erwartet deshalb auch, dass der Baden-Württembergische Ministerpräsident Mappus sich für seine südbadischen Landeskinder entsprechend einsetzt. Zu diesem Zweck könnte er ja eine Menschenkette nach Beznau organisieren...bei uns hat´s gewirkt!
KLAR! dankt
Am Samstag den 12.03.2011 formierte sich 60´000 Menschen zu einer Kette über 45 km um ihren Zusammenhalt und ihre Stärke zu demonstrieren. Sie forderten die Baden-Württembergische Landesregierung auf den veralteten Reaktor in Neckarwestheim unverzüglich abzuschalten. Der Verein KLAR! hatte drei Busse mit zusammen ca. 160 Personen nach Kornwestheim organisiert, wo sie sich in die lange Kette einreihten. Anschließend ging es weiter nach Stuttgart zur Kundgebung. Insgesamt eine gelungene und symbolstarke Veranstaltung.
Zu diesem Zeitpunkt brodelte es in Japan bereits bedenklich, aber eine Stellungnahme Seitens der Landes- oder Bundesregierung zum Thema Abschalten gab es noch nicht. Um so befremdlicher erscheint nun der neue Aktionismus. Nun plötzlich werden alte Reaktoren überprüft. Wieso nicht schon bevor man über deren Laufzeitverlängerung entschieden hat. Wurde hier blindlings entschieden? Mein Auto wird alle 2 Jahre überprüft und dann über dessen Laufzeitverlängerung entschieden. Sind Kernkraftwerke weniger bedrohlich – vielleicht sollte ich meinen Fahrstil überdenken!
Neckarwestheim soll nun endgültig abgeschaltet werden kann man erfahren. Leider fand dieses Umdenken nicht aufgrund logischer Überlegungen und sachlicher Überprüfung statt, sondern es hat einer erneuten Katastrophe bedurft, wie sie bereits vor 25 Jahren in Tschernobyl stattgefunden hat. Man fragt sich ob bei Merkel, Mappus und Co der Denkprozess erst durch einen kräftigen japanischen Tritt in Form eines Erdbebens und einer drohenden mehrfachen Kernschmelze ausgelöst wird!
Josef Diebold
Vorsitzender KLAR! e. V.
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